A Silver Mt. Zion: He Has Left Us Alone, But Shafts Of Light Sometimes Grace The Corners Of Our Rooms
Abgesehen davon, dass dies der beste Albumtitel aller Zeiten ist, fehlen mir die Worte, um A Silver Mt. Zion überhaupt angemessen beschreiben, geschweige denn anpreisen zu können. Selber hören ist da sicherlich hilfreich. Ich kann an dieser Stelle nur so viel dazu sagen:
Wenn man sich vorstellt, plötzlich auf einer Waldlichtung aufzuwachen, eingebettet in feuchtes, im Morgentau dampfendes Gras, nur um 13 Plastikengel mit Mangagesichtern um einen herum schweben zu sehen, die mit ihren ätherischen Seufzern das blasse Sonnenlicht einer sterbenden Welt herbeirufen, während sie sich in einem immer schneller drehenden Reigen zum silbergrauen Himmel der letzten Morgendämmerung emporheben und gleichzeitig die äonenlang schweigenden Waldnymphen aus dem schwindenden Schatten der Bäume hervortreten und ihre Sirenengesänge erklingen lassen, dann bekommt man eine Ahnung davon, an welch unwirklich-existenzielle Orte der eigenen Fantasie einen Musik entführen kann.
Wem Sigur Rós noch kein Begriff ist, sollte sich zunächst einmal das Stück »Starálfur« von ihrem Album Ágætis Byrjun anhören. Für alle anderen muss das neueste Album der isländischen Postrock-Band wie eine Rückschau auf ihr bisheriges Schaffen wirken, eine filigrane Skulptur der melodischen, rhythmischen und sphärischen Linien, die in den vorherigen Alben bereits angelegt sind. Besonders die Stücke »Góðan daginn« und »Festival« können dem geneigten Hörer mit ihrer lyrischen Weite und dramaturgischen Wucht schon mal den Hirndeckel absprengen.
Fazit: vier von fünf Ohrläppchen – die zweite Hälfte des Albums ist nicht mehr so komplex und interessant wie die erste.
Sie: Seine Art Directorin. Und seine Tochter. Und vier Jahre alt.
Die ganze Sache geht so: Er fragt sie, was er malen soll, und dann begutachtet sie das Ergebnis seeeeeeeehr kritisch. Dieses Bild hier ist z.B. gnadenlos durchgefallen:
Grund der Ablehnung: “I want a T-Rex!” Unbedingt das ganze Blog anschauen!! Großartig!!
Erstens: der beste Buchtitel, den ich seit langem gesehen habe. Musste ich sofort kaufen. Und siehe da: Es ist auch noch ein tolles Buch! Oder wusstet Ihr, dass Sex und Gott genauso viel miteinander zu tun haben wie ein KZ und Lippenstift?! Drei Dinge faszinieren mich an diesem Buch besonders. Zum einen Bells Umgang mit einem heiklen Thema. Dann sein synthetisierender Stil – it’s all tied together. Und schließlich das Design des Buches selbst. [Mehrlesen →]
Vimeo ist wirklich eine wunderbare neue Welt! Im Spiegel wurde “YouTubes schöne Schwester” bereits gewürdigt (tolle Video-Links!), und ich kann alle nur ermutigen, sich dort einmal umzuschauen. Achtung: Zeit mitbringen!
Man findet dann bewegte Kleinodien wie dieses hier:
Als Science-Fiction-Lektor habe ich das Privileg, mich sozusagen auf dem Vorderdeck des Zukunftsdampfers zu tummeln. Und just hier, direkt neben dem Ankertau, ist mir folgende visionäre Küchensensation begegnet:
Freaky Food Fun!
Ist das nicht toll?!? Das muss ich sofort zu Hause ausprobieren!
Das ist ja wohl das Coolste, wo gibt: Ein Buch mit eingebauter Design-Geschichte, Style-Vergleichen und überhaupt jeder Menge Futter für den Gestaltungshungrigen! Wow-Faktor 3000 … Wer schon immer mal wissen wollte, was das Punkige am Punk-Design ist oder wie man dekonstruktivistische Plattencover ausfindig macht, der sollte den stolzen Preis von 89,– Europäern nicht scheuen und sich dieses, nebenbei bemerkt, atemberaubend gestaltete Buch von Achim Böhmer und Sara Hausmann besorgen:
Ein Freund von mir hat mir neulich den Link zu diesem Video gezeigt – ein Film, der mich auf die unterschiedlichsten Weisen gleichzeitig angesprochen hat:
Zum einen ist da der Inhalt: Dass mein Einatmen und Ausatmen eine zutiefst geistliche Dimension hat, ja dass das Wort für Geist selbst eigentlich “Atem” bedeutet, das beeindruckt mich. Jemand spricht über das Atmen, spricht über den Namen Gottes und über unser Leben im Alltag, und schon ist es, als ob eine Tür aufgeht und Licht in meine Existenz fällt, das vorher nur jalousiengestreift durchgedrungen ist.
Es gibt zwei Filme, an die ich die ganze Zeit denken musste, in denen diese Ubahn-Metaphorik auch so atmosphärisch zum Tragen kommt. Der eine ist, glaube ich, Matrix 2. So banal der Film ansonsten ist, aber die Ubahn-Szene war doch eindrücklich: Der Zug meines Lebens fährt an, und die meiste Zeit ist Dunkelheit. Nur manchmal erkenne ich draußen hell erleuchtete Stationen, in denen Menschen ein- und ausgehen, und manchmal setzt sich einer neben mich. Die zentrale Frage aber bleibt die ganze Zeit bestehen: Wohin geht die Reise eigentlich?
Der zweite ist Collateral (der mit Tom Cruise, nicht Collateral Damage mit Arnie). Da ist die Grundnote etwas anders: Ich bin unterwegs mit Leuten, die ich mir nicht aussuchen kann. Aber ich kann entscheiden, ob ich in der richtigen Linie sitze, oder wann ich aussteigen muss.
Bei Bells Video gefällt mir die Unaufgeregtheit. Und die Farbskala. Und die Beleuchtung. Und der Schnitt … Es nimmt der Predigt nichts, sondern gibt ihr noch das gewisse Extra mit, das die Gedanken befeuert, die Rob Bell mit seinen Worten anregt. Ich glaube, ich werde mich morgen in die Ubahn setzen und einfach nur den Leuten beim Atmen zusehen.
Haruki Murakami zählt zu meinen Lieblingsautoren, ja ich würde ihn sogar ohne zu zögern unter die Top 3 wählen. Warum? Weil Murakamis ruhiger, unaufgeregter Erzählstil Geschichten von solcher Phantastik und Eindringlichkeit transportiert, dass einem beim Lesen alle paar Seiten das Herz kurz aussetzt.
Als Beispiel mögen zwei Passagen gelten, die ich aus meiner aktuellen Murakami-Lektüre »Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt« entnommen habe. Zum Beispiel diese:
Zu Hause räumte ich die Lebensmittel in den Kühlschrank. Das Fleisch und den Fisch wickelte ich in Folie, die Tiefkühlkost legte ich ins Gefrierfach. Das Brot und die Kaffeebohnen fror ich auch ein. Den Tofu legte ich in eine Schüssel mit Wasser. Das Bier stellte ich in den Kühlschrank, das alte Gemüse räumte ich nach vorn. Das Sakko hängte ich in den Schrank, das Spülmittel stellte ich auf das Küchenregal. Danach verstreute ich auf dem Fernseher neben dem Schädel ein paar Büroklammern.
Eine merkwürdige Zusammenstellung.
Oder diese:
Ja, wir alle hatten einen Schatten. Als ich in die Stadt hier kam, musste ich meinen beim Wächter abgeben.
“Damit darfst du die Stadt aber nicht betreten”, sagte der Wächter. “Entweder du verzichtest auf deinen Schatten, oder du kehrst um, eins von beiden.”
Ich verzichtete auf meinen Schatten.
Das Wundervolle an Murakamis Phantastik ist, dass sie einerseits fest in der Wirklichkeit verankert ist – seine Helden haben eine 2-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung, meistens einen Job und sind auch sonst durchschnittliche Gegenwartsmenschen. Doch bei Murakami kann hinter jeder Straßenecke das Unerwartete, das Absurde, das Ungeheuerliche warten. Wer garantiert einem schließlich, dass es nicht dort lauert?
Das stellt Murakami als Autor in eine Reihe mit Paul Auster, Jorge Luis Borges oder auch Hayao Miyazaki. Hier ist die Moderne nicht der Kern der Realität, der an seinen Rändern im krisenhaften Geschehen zu bröckeln beginnt. Hier ist die Realität die dünne Haut, die eine schmerzhafte Wunde noch kaum überzogen hat und jederzeit wieder aufreißen kann. Darunter ist das Rohe, das Unmittelbare, das Mythische, das uns nachts einholt wie eine Herde galloppierender Einhörner …
Zusammen mit »Wilde Schafsjagd« und »Kafka am Strand« ist »Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt« mein Murakami-Lieblingsbuch.